Wolle, ihre Herstellung und die Herstellung von Textilien

Die meiste Wolle, die im Handel erhältlich ist wird konventionell gewonnen. Das bedeutet, dass die Tiere unter schmerzhaften Praktiken leiden müssen oder in der Verarbeitung giftige Chemikalien verwendet werden. Baumwolle und andere pflanzlichen Fasern werden mit Pestiziden behandelt.

Zwar erhält man auf diese Weise günstige Wolle und Garne, nimmt dafür aber Tierleid, die Belastung der Umwelt durch Chemikalien, schlechte Arbeitsbedingungen und Niedriglöhne in Kauf.

Für das MariMar Strick Café achten wir beim Einkauf darauf, dass Wolle und Garne biologisch, ohne Tierquälerei und ohne den Einsatz von giftigen Chemikalien verarbeitet werden.

Ein weiterer Aspekt sind die Arbeitsbedingungen und Stundenlöhne in der Textilverarbeitung. Auch hier möchte das MariMar Strick Café ein Zeichen setzen, indem faire Löhne an die Strickerinnen bezahlt werden und die fertigen Kleidungsstücke zu einem Preis verkauft werden, der den wahren Arbeitsaufwand widerspiegelt.

 

GOTS - Zertifizierung

Global Organic Textile Standard ist weltweit als Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern anerkannt. Auf hohem Niveau definiert er umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und fordert gleichzeitig die Einhaltung von Sozialkriterien.

GOTS garantiert:

- dass die Schafe kein mulesing erleiden müssen

- für die Wollverarbeitung keine gefährlichen Chemikalien eingesetzt werden

- die ArbeiterInnen einen fairen Lohn erhalten

- das Garn nach schädlichen Rückständen untersucht wird

Öko Tex Standard 100

Der OEKO-TEX® Standard 100 ist ein unabhängiges Prüf- und Zertifizierungssystem für textile Roh-, Zwischen- und Endprodukte aller Verarbeitungsstufen. Beispiele für zertifizierbare Artikel: rohe und gefärbte/veredelte Garne, rohe und gefärbte/veredelte Gewebe und Gestricke, konfektionierte Artikel (Bekleidung aller Art, Heim- und Haustextilien, Bettwäsche, Frottierwaren, textile Spielwaren u.v.m.)

Kriterien

Die Schadstoffprüfungen umfassen:

  • gesetzlich verbotene Substanzen
  • gesetzlich reglementierte Substanzen
  • bekanntermaßen gesundheitsbedenkliche (jedoch noch nicht gesetzlich geregelte Chemikalien)
  • sowie Parameter zur Gesundheitsvorsorge

In ihrer Gesamtheit gehen die Anforderungen deutlich über bestehende nationale Gesetze hinaus.

mehr unter www.oeko-tex.com

Mulesing

Unter mulesing oder auch Mulesierung wird ein in Australien und Neuseeland gebräuchliches Verfahren verstanden, welches den Befall von Fliegenmaden bei den Schafen verhindern soll.

Für das mulesing Verfahren wird das Schaf mit Metallstangen fixiert damit es sich nicht bewegen kann. Anschliessend wird die Schwanzfalte oberhalb des Afters durch Entfernung eines v-förmigen Hautstücks im proximalen Schwanzdrittel gestrafft. Anschliessend wird der Schwanz ab dem dritten Schwanzwirbel kupiert. 

Der Eingriff geschieht ohne Narkose und es werden während des Eingriffs oder danach keine Schmerzlindernden Mittel verabreicht. 

Sheep dunking - in Pestiziden baden

In der konventionellen Schafhaltung werden die Tiere vor der Schur durch Pestizidbäder getrieben. Dieses Verfahren - auch Sheep dunking - genannt soll die Parasiten in der Wolle töten.

Dabei werden nicht nur die Schafe mit den Phosphaten und Pyrethroiden (beides starke Nervengifte) belastet, sondern auch die Schäfer und ArbeiterInnen, die mit den Giften in Berührung kommen.
Die Rückstände dieser Gifte befinden sich dann auch in der verarbeiteten Wolle und in der daraus gefertigten Kleidung. 

Biologisch geführte Schäferein verzichten auf die Anwendung von Pestiziden und setzen mehr auf Schafrassen, die robuster und somit resistenter gegen den Befall von Parasiten sind.

Preispolitik und faire Arbeitslöhne

In der Schweiz stricken vorwiegend Frauen für den Verkauf. Handgestrickte Kleidung wird auf Märkten, über Woll Läden oder auf Internetplattformen angeboten. Auffallend dabei sind die Preise, die in der Regel für die Kleidung verlangt werden.

Auf einem Herbstmarkt findet man immerwieder handgestrickte Socken, die für den Preis von 25.- und 35.- CHF angeboten werden. Für ein Paar Socken werden in der Regel ca. 8.- CHF Materialkosten verstrickt. Rechnet man, dass die reine Arbeit ca. 8h in Anspruch nimmt, kommt man auf einen Stundenlohn von 2.10 - 3,40 (Natürlich geht es auch etwas schneller, der Lohn wird dennoch nicht viel besser)

Ein weiteres Beispiel sind Auftragsarbeiten für Modeboutiquen und Wolle Läden. In der Regel wird die Strickerin dort nicht per Stunde sondern pro verstrickten Meter bezahlt. Die Preise sind so berechnet, dass eine schnelle Strickerin auf einen Stundenlohn von etwa 8.- CHF kommen kann.

Das liegt weit unter dem Mindestlohn in der Schweiz und könnte zum Nachdenken anregen, inwieweit wir bereit sind durch unsere Einkaufsgewohnheiten Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen zu unterstützen oder gar zu fördern.

Ein Stundenlohn von mindestens CHF 20.- sollte bei der Produktion eines in der Schweiz hergestellten Kleidungsstückes als selbstverständlich gelten.